Mittwoch, Februar 23, 2005

Business Trip to India

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Anfang Februar bekam ich die Gelegenheit, fuer eine Woche zu unserer navis Filiale in Indien zu gehen und ihre Entwickler in einer bestimmten Java Technologie zu schulen (fuer die Kenner: ULC).

Die Reise begann nicht wie geplant... Mein Flug ging am Samstag um 12:05am in San Francisco ab. Als ich dazu am Samstag Morgen am Flughafen eintraf, wurde mir erklaert, dass ich einen halben Tag zu spaet einchecke - der Flug sei bereits um zwoelf Uhr in der Nacht losgegangen... AM und PM und eine Zeitdifferenz von 13 Stunden mit Datumswechsel machen es einem aber auch nicht gerade einfach.

Gluecklicherweise waren die am Schalter sehr nett zu mir, oder hatten einfach Mitleid mit solch einem Anfaenger, auf jeden Fall erwischte ich einen anderen Flug und "musste" aber einen Tag zwischenlanden in Singapur, was mir die unerwartete Gelegenheit zu Sightseeing in einem mir voellig unbekannten Land gab.

Singapur war sehr eindruecklich. Alles mega sauber, ordentlich und organisiert. Wer Kaugummi kaetscht und ausspuckt, muss nebst einer Geldbusse einen Tag lang mit so einem Riesenschild an Bauch und Ruecken rumlaufen, auf welchem dann was steht in der Art von "Lasst uns unser Land sauber halten". Natuerlich war ich gerade genuesslich am Kaugummi kauen, als ich den Zoll passierte - aber es geschah nichts. Das waere ja toll gewesen, mit so einem Schild am Ruecken den Tag in Singapur zu verbringen. Historisch und politisch war die Sightseeing Tour sehr interessant und am Abend flog ich dann, reich an vielen Eindruecken, endlich an mein Ziel: Chennai (frueher Madras genannt) in Suedost Indien.

Am ersten Tag gab es Thailaendisch zum Mittagessen und Chinesisch zum Abendessen. Unter Schweissperlen und Krampferscheinungen nahm ich die Nahrung widerwillig auf und schwor mir, in Zukunft vor Eintritt in ein Restaurant immer zuerst die Speisekarte genau zu studieren. Food von oestlich der Schweiz ist nun mal nicht mein Ding.

Obwohl ich nur einen ganz kleinen Teil von Indien gesehen habe, so bin ich doch ganz begeistert und fasziniert von diesem Land. Das Leben in diesem Land scheint gepraegt von einer langen Geschichte, diversen Kulturen und vielfaeltigen Religionen. Alle Handlungen sind ueberlegt, alle Rituale durchdacht - eigentlich scheint es hier fuer alles eine Begruendung zu geben. Ich kam mir ein wenig wie ein unwissender westlicher Barbar vor, aber die Personen haben mich hier trotzdem wie einen Koenig behandelt, dabei bin ich doch nur ein kleiner Programmierer. Ich habe mich dann mit einigen Toblerones bedankt, was fast zu firmen-internen Schlaegereien ueber die verschiedenen Tobleronefarben zwischen den sonst so friedlichen Indern fuehrte...

Unvorstellbar war in Chennai der Verkehrsfluss. Die Inder lehrten mich, dass es auf der Strasse nur eine Regel gibt: "Don't follow the rules". Das sagt eigentlich schon alles. Als wir einmal ueber die Strasse liefen zum Mittagessen, bildeten die navis Inder eine Art Ring um mich wie frueher die Roemer in ihren Verteidungsformationen und eskortierten mich so sicher ueber die Strasse... Alleine wuerde ich wohl jetzt noch dortstehen und auf eine Verkehrsluecke warten, oder ich waere von einem wilden Tuc-Tuc Fahrer aufgespiesst worden. Trotz dem vermeintlichen Verkehrschaos kommen Passanten, Velo Fahrer, Tuc-Tuc Fahrer, Toeff Fahrer und Automobilisten gut und ohne Agressivitaeten aneinander vorbei. Schade kann das in Europa und in Amerika nicht auch so friendlich sein.

An eines hatte ich mich auch nach einer Woche noch nicht gewoehnt: die Inder schuetteln/schaukeln immer den Kopf, wenn sie etwas antworten, und sei es auch, dass sie etwas bestaetigen oder einfach nur 'Ja' sagen. Wenn ich also waehrend dem Kurs fragte, ob alles verstaendlich sei, so blickten mich zehn Inder kopfschuettelnd an, was mich das erste Mal ziemlich aus dem Konzept brachte und mich meinen Vortragsstil ueberdenken liess ;-)

De Rueckflug verlief dann reibunglos und 24h (!) spaeter traf ich wieder in San Francisco ein. Indien war ein Riesenerlebnis, der Alltag von Chennai sehr eindruecklich und die Leute unglaublich nett. Ich hoffe, wieder einmal fuer navis dort hingehen zu "muessen".

Etienne