Half a year in San Francisco...
Wow, schon ist ein halbes Jahr vergangen seit ich ins Flugzeug nach Amerika eingestiegen bin. Die Zeit vergeht unglaublich schnell, doch es passiert immer auch einiges. Fuer mich am eindruecklichsten ist wie sich mein Leben zwischen Oktober und April hier in der Bay Area veraendert hat: anfangs noch ziemlich verloren und einsam in der grossen fremden Stadt, bin ich inzwischen gut vertraut mit der Umgebung und den Leuten. Dass Lee und ich nun in unserer eigenen Wohnung leben, traegt natuerlich auch viel zum Wohlsein bei. Generell finden wir uns in der Stadt mittlerweile gut zu recht und kennen die idealsten Veloweg Abkuerzungen, die coolsten Outdoor Laeden, die besten Burgers und die mexikanischsten Taco Places.
In der Anfangszeit fuehlte ich mich uebrigens oft an das Buch "Amerika" von Kafka erinnert, das ich nicht nur Emigranten als Lektuere empfehlen kann.
Seit dem letzten Bericht haben wir einigen Besuch aus der Schweiz erhalten. Dies ist fuer uns jedes Mal ein grosses Erlebnis gewesen (nicht nur wegen der Schoggi, den Laeggerli und den Luxemburgerli), denn unsere Schweizer Freunde fehlen uns hier schon. Marc Domenig kam fuer eine Konferenz nach San Francisco und war natuerlich gleich dabei, eine MTB Tour in die Marine Headlands zu machen. Wir mussten beide anerkennen, dass in dem ehemaligen riesigen Militaergelaende mit Blick auf den sonnenueberfluteten Pazifik ein WK schon gemuetlicher gewesen waere als auf einem verschneiten eiskalten Susten... Gaby Rahm und Serge starteten hier in San Francisco Ihre fuenfwoechige Reise durch den Westen der Staaten (fuenf Wochen Ferien, so viele habe ich nicht mal in zwei Jahren). Gemaess unseren Gaesten bewies sich Lee als sehr kundiger Stadtfuehrer - ich werde sie wohl naechstens auch fuer eine solche Stadt Tour buchen... ;-) Karin Baumann und Hugo kamen auf Ihrem Flug nach Hawai spontan an einem Sonntag vorbei und hatten, frueh erwacht aufgrund des Jetlags, bei Ihrem Eintreffen bei uns um zehn Uhr morgens schon mehr Sehenswuerdigkeiten gesehen als mancher Tourist nach einer Woche - sehr beeindruckend!
Ende Maerz gingen wir hier in den Sierras mit navis Ski fahren. Das Ski fahren hat uns schon lange nicht mehr so Spass gemacht wie dort am Lake Tahoe bei Sonnenschein, T-Shirt Temperaturen, Pulverschnee und Apres-Ski Burgern. Und das alles ohne Gedraenge beim Anstehen - hier nehmen es alle sehr easy und warten geduldig Schlange, wodurch der Agressions Pegel tief bleibt und die Skis unverkratzt.
Eine meiner Rennvelotouren fuehrte mich ueber die Huegel von Berkley und es war sehr beeindruckend, wie man von urbanem Gebiet aus ein wenig durch dicken Nebel einen Huegel hochfaehrt und sich ploetzlich auf der anderen Seite bei Sonnenschein, saftigen gruenen Wiesen und grasenden Kuehen wiederfindet. Mich hat die Landschaft dort irgendwie an die Schwarzsee Region erinnert. Dass mich am Ende der Fahrt ein brutaler Hungerast einholte, darauf gehe ich jetzt nicht naeher ein - allein die Gedanken daran sind noch immer qualvoll genug...
Wir haben seit kurzem auch einen Fernseher, allerdings lohnt ich der fast nicht, denn nebst einer halben Stunde Seinfeld pro Tag bleibt er praktisch unangetastet. Diese Meldung hoert sich banal an, doch die Vorgeschichte war es nicht: nachdem wir den Fernseher gekauft hatten, musste der Cable Guy den Kabelanschluss aktivieren kommen. Das Resultat seines Besuches war, dass danach der Fernseher kaputt war. Der TV vebrachte dann ein paar Tage bei einem Chinesischen Reparatur Service, bevor wir ihn entnervt retournierten und gegen einen Neuen umtauschten. Ohne eigenes Auto alles ziemlich umstaendlich - aber dafuer gibt es ja Week-Ends...
Nun da wir uns hier eingelebt haben, uns in der Stadt ein wenig auskennen, die naehere Umgebung erkundet haben, draengt es uns in weitere unbekannte Regionen: Napa Valley, Sonoma, Big Sur, etc. Der Kauf eines eigenen Autos steht deshalb zuoberst auf der Liste. Zuerst muss ich allerdings noch die theoretische und praktische Fahrpruefung machen...
Nur noch wenige Tage trennen uns von unserer einwoechigen Ferienwoche in der Schweiz, und wir freuen uns bereits sehr darauf. Ich hoffe, viele von Euch in dieser Zeit zu sehen und bin gespannt zu vernehmen, was Ihr so treibt. Ich hoere immer wieder mal "Geruechte" von Hochzeiten, Babies, Reisen, etc.
--Etienne

