Seit meinem Arbeitsbeginn bei navis vor dreizehn Monaten war ich noch nie richtig in den Ferien, von einigen hektischen und intensiven Kurzaufenthalten in der Schweiz abgesehen. Nun war es aber endlich soweit, denn zehn Tage Ferien in Costa Rica waren gebucht.
Bei schoenstem Sonnenwetter machten wir uns Freitags gemuetlich und voller Vorfreude auf den Weg zum SFO Flughafen, von wo aus es nach Los Angeles, Guatemala und schlussendlich San Jose in Costa Rica gehen sollte. Erste Hektik kam aber bereits am Flughafenterminal auf, denn unser Flug nach LA wurde als zwei Stunden verspaetet aufgelistet, wodurch wir den Anschluss nach Costa Rica verpassen wuerden. Da dreissig andere Passagiere das gleiche Problem hatten, wartete der Anschluss in LA schlussendlich auf uns (zuvor mussten wir aber ein paar Mal durch den SFO Flughafen rennen, denn jeder Angestellte schickte uns zu einem anderen Gate...). Mit erhoehtem Adrenalinspiegel ging dann der Flug schliesslich los, und wir kamen planmaessig und mit allem Gepaeck im warmen San Jose an.
Am Samstag erkundeten wir ein wenig die Stadt von San Jose, welche zu unserem Erstaunen grossenteils sehr modern ist. Christmas Shopping und Markenartikel sind extrem
in, gerade was Kleider und Schuhe angeht. Als wir dem Treiben auf einer Bank sitzend ein wenig zuschauten, wurden wir von zwei einheimischen Studenten ueber unser Land (Schweiz!) interviewt. Das war noch recht interessant, denn wir lernten dabei von ihnen auch einiges ueber costaricanische Braeuche. Da wir der Natur wegen auf Costa Rica kamen, und nicht zum Shoppen westlicher Luxusgueter, blieben wir nicht zu lange Downtown. Wir kraeftigten uns mit Reis, Fleisch und Bohnen - genannt
Casado - und erholten uns danach von unserem Jetlag und dem vollen Bauch im fensterlosen Hotelzimmer.

Am Sonntag Morgen wurden wir von unserem Guide abgeholt und damit begann unser organisierter
Adventure Trip mit
Serendipity Adventures (nebst Lee und mir war nur noch eine weitere Dame aus Canada dabei). Costa Rica ist bekannt fuer seinen
Cloud Forrest. In einen dieser sehr hoch gelegenen Regenwaelder fuhren wir mit dem Jeep und erkundeten den Wald zu Fuss als auch mit Ziplines. Diese in den Baeumen befestigten Seile lassen einen den Wald "von oben" betrachten, waehrend man von einer Plattform zur naechsten zipped. Das war echt cool. Einige der Pflanzen wachsen hier direkt auf den Baeumen, und wir hatten eine gute Aussicht beim Zippen. Sehr faszinierend an dem dichten Wald waren all die wild wachsenden wunderschoenen Pflanzen und Blumen, von denen viele bei uns nur im Blumenladen erhaeltlich sind. Auch gab es absolute Miniaturpflanzen von der Groesse eines Fingerhutes, zum Beispiel gewisse Orchideen. Am spaeteren Nachmittag fuhren wir Richtung Suedosten nach Turrialba, wo wir fur den Rest der Reise im
Hotel Interamericano untergebracht sein wuerden.



Am Montag war Mountainbiken angesagt. Natuerlich war auch das groesste Velo viel zu klein fuer mich und meine Knie liessen mich das schnell wissen. Doch bald waren die Schmerzen vergessen, denn die Fahrt durch Zuckerrohr und Tabak Plantagen war sicher eines meiner Highlights dieser Reise. Den suessen Saft des Zuckerrohrs kann man uebrigens direkt aussagen und schmeckt ganz fein. Auch super genossen habe ich die Abkuehlung in einem idyllischen Fluss unterwegs, kurz vor einem nahrhaften Mittagessen mit eindruecklicher Aussicht.



Am Dienstag gingen wir auf einen glasklaren und ziemlich wilden Fluss mit Duckies und Rafting Boats (Duckies sind eine Art aufblasbare Kanus fuer zwei Personen und sehr wendig). Es ging gleich zu Beginn einige Stromschnellen hinunter und hat super Spass gemacht. Die Fahrt auf dem Fluss war unglaublich schoen, denn entlang dem Fluss ist alles voellig gruen und wild bewachsener Dschungel. Die Baeume und Pflanzen ragen ueber das Flussufer hinaus und viele Voegel singen in den Bauemen und kreuzen den Fluss. Mir haben die
King Fisher Voegel sehr gefallen - Lee hat sogar ein Faultier gesehen (
Three-toed Sloth). Das Mittagessen am Flussrand, zubereitet von den Guides, mit dem umgekehrten Rafting Boat als Tisch hat sehr geschmeckt, und das Boot war nachher sicher einiges leichter was den Proviant angeht.



Am Mittwoch machten wir uns im Nebel auf eine Wanderung auf den noch immer aktiven Vulkan
Turrialba. Wir starteten auf 2700 Meter und erreichten den Kraterrand auf ca. 3300 Meter. Auf der Innenseite ging es dann gleich wieder runter in Richtung des gelb-gruenen Kratersee. Der Geschmack der Schwefeldaempfe liess mich an meine Chemiepraktika an der Uni erinnern.



Am Donnerstag gingen wir im entlegenen Moravia Reiten. Moravia ist nur per 4x4 erreichbar (Afrika Erinnerungen kamen auf...) und die Fahrt dorthin war genau so, wie ich mir Costa Rica vorstellte: wild durcheinander angeordnete steile Huegel, alles ueberwachsen vom dichten undurchdringbaren Dschungel und kaum Zivilisation - echt spektakulaer! Moravia selbst ist am Rande eines Waldgebietes wo noch "Eingeborene" unglaublich bescheiden und mit ihrer eigenen Sprache leben. Das eigentliche Reiten wurde zu einem weiteren (unerwarteten) Hoehepunkt der Reise. Auch wenn das Pferd schon nach zwei Sekunden wusste, dass ich keine Ahnung vom Reiten habe, so hat es doch auf kleinste Fuss Signale reagiert. Der Ausritt fuehrte durch Regenwald, und es kam unglaublich: diese Pferde stapften durch Knoechel-hohen Matsch, stiegen ueber umgefallene Baeume, glitten entlang schraegen Abhaengen - und all dies mit einem ungeschickten Reiter auf dem Ruecken. Mein Respekt fuer
Smokey das Pferd ist riesig!



Am Freitag war Canyoning auf dem Plan. Wir seilten dabei einen sehr schoenen und kalten Bach ab, umgeben von viel gruen (wie immer in diesem Land). Auch wenn ich kein Kletterer bin, so habe ich bald bemerkt, dass unsere Guides wohl keine Schweizer Bergfuehrer Ausbildung haben... Aber alles lief gut und hat sehr Spass gemacht. Leider war das kroenende Abseilen eines 40m hohen Wasserfalls nicht moeglich, da der Abstieg zu ueberwachsen war :-(


Als Abschluss des organiserten Teils der Reise kam es am Samstag zum River Rafting den
Rio Pacuare hinunter. Da wir nur fuenf Personen im Boot waren, musste kraeftig gepaddelt werden, denn dieser Fluss riess kraeftig und hatte einige Schwierigkeiten zu bieten: mehrere Class III und IV Stellen. Einmal hatte ich den Fuss nicht ideal im Boot und wurde prompt aus dem Boot geworfen... Schnell musste ich wieder ins Boot gelangen, denn die naechste Stromschnelle kam schon, wie unschwer zu hoeren war. Als wir unterwegs zu Mittag assen, haben wir uebrigens eine zwei Meter lange schwarz-gelbe Schlange gesehen, wie sie durch das Gebuesch "pirschte". Auch wenn diese Schlange nur andere Giftschlangen isst, so blieben wir doch auf sichere Distanz.



Waehrend den letzten zwei Tagen in Costa Rica genossen wir die Unabhaengigkeit in einem netten
Hotel mit toller Aussicht auf die einmal mehr unglaublich gruene Landschaft (und warmem Wasser zum Duschen).


Die Reise hat sehr Spass gemacht, wenn wir auch ein wenig die gewohnte Freiheit des unabhaengigen Reisen vermissten, aber bei zehn Tagen Ferien pro Jahr muss (leider) effizient und amerikanisch Ferien gemacht werden. Costa Rica, auch bekannt als die Schweiz von Mittelamerika, ist ein sehr schoenes Land mit sehr freundlichen relaxten Leuten, genannt
Ticos. Die Vegetation, der wilde Dschungel und die vielen vielen Voegel sind faszinierend. Auch das Essen - ein nicht unwichtiger Punkt fuer mich - schmeckt sehr gut, und ich ass so viele
Casados wie nur moeglich. Physisch war alles ein bisschen weniger anstrengend als wir dies erwarteten, aber das kann nun zurueck in der sonnigen Bay Area wieder gut kompensiert werden.