Diesen September erfuellte ich mir einen langjaehrigen Traum. Naemlich mit dem Mountain Bike durch die Hochebenen von Tibet zu fahren. Als ich letztes Jahr Dominique von meinem Vorhaben erzaehlte, war er sofort dabei. Mit Dominique bin ich im Egg aufgewachsen, habe mit ihm sommerferienlang Rollhockey gespielt, wir haben zusammen das Gymnasium besucht und auch zwei Jahre lang eine super Zeit in der gemeinsamen WG an der Leuengasse erlebt. Er war also der ideale Gefaehrte fuer diese mental und physisch anspruchsvolle Reise.

So ging es Anfang September mit der Veloferienorganisation
Bike Adventure Tours und zehn weiteren Teilnehmern von Zuerich ueber Doha (Qatar) nach Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, wo wir zwei Tage lang buddhistische und hinduistische Tempel besuchten und ein wenig durch die Strassen im Dulikel Quartier schlenderten auf der Suche nach letzten Ausruestungs Gegenstaenden. Was fuer eine faszinierend andere Welt, gepraegt von Religion und Glauben.




Von Kathmandu flogen wir mit der China Air weiter nach Lhasa, dem Startpunkt der Velotour. Das Ein- und Auschecken war nicht gerade wie am Flughafen Zuerich-Kloten, aber erstaunlicherweise ist alles Gepaeck angekommen, wenn auch einige Velos ziemlich gelitten haben.
In Lhasa, auf ueber 3600m ueber Meer, akklimatisierten wir uns ueber mehrere Tage. Nur jede Anstrengung vermeiden, nicht rennen, Lift nehmen statt Treppe laufen, etc. und immer viel viel Wasser trinken. Wir besuchten mehrere Kloester und mussten dabei leider auch feststellen, dass die Chinesen die tibetische Kultur systematisch zerstoeren. Der Potala ist aber noch immer unglaublich eindruecklich in seiner Erscheinung und mit seinen ueber tausend Raeumen.




In Nepal isst man hauptsaechlich Dalbat, eine Tellergericht bestehend aus Reis und frischen Zutaten in kleinen Schalen. Es schmeckte mir sehr gut. Mit dem chinesischen Essen hatte ich allerdings ziemlich Muehe, alles war extrem fettig, zaeh und irgendwie schmuddelig. Ich kenne nun auch das graesslichste aller Getraenke: Yakbuttertee! Jener Nicht-Tibeter, welcher davon eine ganze Tasse trinken und in sich behalten kann, dem zahle ich als Ausdruck meines Respektes eine Kiste Bier. Tibeter trinken davon bis zu 40 Tassen an einem Tag...



Dann fing endlich der Veloteil an (die Kloester mit ihren Buddhas sahen langsam alle gleich aus...). Die ersten paar Tage waren gleich sehr happig, und wir ueberquerten auf dem Weg nach Shigatse schon zwei Paesse von 5000m und 5450m ueber Meer, den letzteren Pass im Nebel und Regen und mit Schnee auf der Passhoehe. Es war sau kalt auf diesen Paessen, und ich hatte alle verfuegbaren Kleider Schichten an, inklusive Ohrwaermer, Handschuhe, Schuhueberzuege und Faserpelz. Die einsamen aber trotzdem bewirtschafteten Taeler zwischen den Paessen waeren einmalig schoen und eine grosse Belohnung fuer jegliche Widrigkeiten. Ich kann mir aber bis heute nicht vorstellen, wie man in dieser kargen Region ueberwintern kann.



Shigatse selbst war eine graessliche von Chinesen dominierte Stadt. Noch nie habe ich so eine schmutzige Stadt gesehen. Ein Tag Sightseeing und dann ging es zum Glueck schon weiter Richtung Westen auf dem Freedom Highway. Jeden Tag ueberquerten wir weitere Paesse und hatten immer wieder Regen, Gegenwind und wellblechartige Naturstrassen zu meistern. Da ich mit der Hoehe und dem Profil gut zurecht kam, fuehrte ich im Flachen oft dem Wind ausgesetzt das Feld an. Ein ausgezeichnetes Training, das ich sehr genoss.




Immer wieder tauchten Tibeter mit ihren Pferden aus dem Nichts auf. Keine Ahnung, was sie dort machten, woher sie kamen und wohin sie gingen. Leider waren sie ziemlich beharrlich im Betteln fuer Geld und Esswaren. Irgendwie kann man es ihnen aber auch nicht verdenken.



Die erlebten Impressionen von Landschaft, Leuten und Wetter lassen sich in Worten nicht beschreiben, hoechstens vielleicht mit ein paar Bildern vermitteln (siehe auch mein
Google Web Album).
Uebernachtet haben wir meistens im Zweierzelt, wobei Dominique und ich wahre Meister des Chaos waren. Schlafsaecke, Ruecksaecke, Taschen, nasse Velokleider, Schuhe, Gutzis, etc. mussten alle im Zelt Platz finden. Unser persoenliches Gepaeck, die Zelte und die Feldkueche wurden jeweils in drei Begleit-Jeeps und einem Kleinlastwagen von einer lokalen Crew transportiert. Allein zu dieser super Crew gaebe es ein Dutzend Geschichten zu erzaehlen.





Wir fuhren auf unserem Weg auch ins Mount Everest Base Camp, kamen aber den hoechsten Berg der Welt nicht zu sehen, da er sich gemeinerweise in Wolken huellte. Trotzdem war es noch spannend, einmal diese Steinwueste und das Zeltdorf zu sehen. Der Wind war aber schon auf 5200m ueber Meer beissend kalt, kaum vorstellbar wie das auf 8848m ueber Meer blasen muss.

Die Bikefahrt fuehrte uns weiter Richtung Westen und Nepal. Gegen Schluss der Tour kamen wir innerhalb eines Tages in den Genuss von 3000m vertikalem Downhill von dem kargen Tibet runter ins gruene Tal von Nepal.



Nach fast drei Wochen Biken ueber 1'000km und 10'000 Hoehenmeter kamen wir in Kathmandu an, wo wir nochmals zwei Tage Zeit hatten, bevor es zurueck in die Schweiz, respektive zurueck in die Staaten ging. Es war eine unvergessliche Reise, die lustigen Erlebnisse zusammen mit Dominque, die Stille und Weite und Unberuehrtheit Tibets, die in einer anderen Welt lebenden Tibeter, das Biken auf die einsamen, hohen und sauerstoffarmen Paesse und das Zusammensitzen mit der tollen Gruppe im Esszelt. Bin ich nun ein anderer Mensch geworden? Nein, aber es hat gut getan einen Monat fernab von Computern, Emails und der Arbeit zu verbringen und stattdessen das Leben auf Schlafen, Essen und Biken zu reduzieren.



Dominique und ich haben abgemacht, wieder einmal eine solche abenteuerliche Velotour zu machen - dann aber in Begleitung von Margo und Lee.