Ende Oktober musste ich fuers Geschaeft fuer zwei Wochen auf Europa, zusammen mit ein paar Kollegen von der Firma. Es wurden zwei unerwartet abenteuerliche Wochen.
Der erste Teil der Reise fuehrte uns nach Antwerpen zum Schiffsterminal eines Kunden. Nebst vielen Stunden in Bueros gab es auch eine Fuehrung durch das Hafengelaende, was immer sehr interessant ist, denn keine zwei Anlagen und Prozesse sind gleich. Spannend an dieser ersten Woche war auch, dass ich in das Projekt aktiv involviert bin und hoffentlich schon bald mein momentanes Softwareprojekt dort im Einsatz sehen werde. Zum Abschluss gingen wir in einem guten Restaurant essen, in welchem es keine Speisekarte gibt sondern der Wirt einem die Menus verbal und mit Gestik vortraegt - sehr amuesant.
Weiter ging die Reise per weissem VW Minibus (so ein 12-Plaetzer) nach Neuss in Deutschland. Da ich zu diesem Zeitpunkt der einzige Europaer unserer Truppe war und wohl auch als einziger einen geschalteten Wagen fahren konnte, wurde ich zum Fahrer erkoren. Ich bedankte mich fuer das Vertrauen und nahm mit Freuden hinter dem Steuer Platz. Wir fuhren die Strecke von Belgien nach Deutschland mit kurzem Zwischenhalt bei MacDonalds. Es kam mir vor, wie eine grosse Familie auf einem Summer Roadtrip.
Das Hotel in Neuss war dann absolut unterste Schublade - extrem unfreundliches Personal und grausige Zimmer (man konnte waehlen zwischen Raucherzimmer + Wireless oder Nichtraucherzimmer + No Wireless). Und welcher Idiot hatte wohl die Idee, die Raucherzimmer im ersten von fuenf Stockwerken anzulegen... In der Nacht konnte man dann entweder im Rauch ersticken oder das Fenster aufmachen und von der lauten Strasse und dem Gueterverkehr auf Schienen beschallt werden. Super :-( Das Zimmer war zudem so klein, dass ich kaum Liegestuetzen machen konnte (fast haette ich auf Frauen-Liegestuetzen umstellen muessen um Platz zu sparen...). Der Hammer war dann, als ich im Bett kurz vor Mitternacht noch las und ploetzlich einer vom Personal mit einem Passepartout in mein Zimmer eindrang. Als er mich sah, entschuldigte er sich nicht etwa, sondern fluechtete schnell. Das Parking war auch sehr speziell, denn man musste in einen extrem engen Autolift, der nur etwa 20cm laenger war als unser Minibus. So war beim taeglichen Rein- und Rausparkieren Michael Schumacher Praezision gefragt.
Inhaltlich waren die Tage in Duesseldorf bei einem Kranenhersteller sehr spannend, doch rundherum war es sehr trist - das schaebige Hotel, dauernd Regen, jeden Tag morgens und abends im nassen Stau mit dem Minibus, kaum ein Restaurant in der Naehe des Hotels. Naja... Der letzte Abend war dann aber eine gute Entschaedigung, denn wir wurden von den Deutschen auf Koeln eingeladen zu einer Besichtigung der Altstadt und einem koelnischen Nachtessen. Wir besichtigten den Koelner Dom, ein wahnsinnig imposantes und schoenes Kunstwerk, unglaublich dass es den Zweiten Weltkrieg praktisch unbeschaedigt ueberstanden hatte. Die Altstadt ist gleich am Rhein gelegen, mit ganz vielen rausgestuhlten Restaurants und verwinkelten Gassen. Sehr schoen. Das Highlight war dann das Nachtessen in einer Bierbrauerei. Das Lokal war riesig, mit x Raeumen die alle irgendwie verbunden waren und mehreren unterirdischen gewoelbten Hallen die labyrinthartig angelegt und ueber kleine Treppen verbunden waren. Genial! Es gab ein urchiges Nachtessen mit Bier, Haxen, Schinken, Sauerkraut, etc. Ganz fein war das. Und die Biere sind nur 2.5dl gross, so dass das Bier nie warm wird und vom Kellner immer gleich ohne Nachfragen nachgefuellt wird, sobald das Glas leer ist, bis dass man einen Deckel auf das Glas legt. Die Buchfuehrung geschieht auf einem Bierdeckel. Unsere deutschen Gastgeber haben dann einiges zu Geschichte, Karneval und so erzaehlt. Ein super Abend.
Danach ging die Reise weiter nach Holland. Inzwischen war ich recht vertraut mit dem Minibus und fuhr die paar hundert Kilometer gleich zuegig wie mit unserem privaten Passat. Nach den Gespraechen in Rotterdam war dann die Reise zu Ende, und es ging zurueck in die Staaten. Ein Franzose, zwei Inder, eine Kanadierin, zwei Amerikaner und ein Schweizer - eine bunte Truppe unterwegs mit dem Minibus :-)